Hilfen zur Erziehung: Bericht bestätigt Steuerungsdefizite – CDU-Fraktion fordert Konsequenzen
Fraktion verweist auf eigene Anträge zur Konsolidierung und zur Digitalisierung der Fallsteuerung
„Der aktuelle Bericht zu den Hilfen zur Erziehung (HzE) zeigt, dass wir nicht nur ein Finanzierungs-, sondern vor allem ein Steuerungsproblem haben“, erklärt Jan Riedel, Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion. „Es geht um das Wohl von Kindern und Jugendlichen. Zugleich müssen wir offen sagen: Die Haushaltslage zwingt uns, genau hinzuschauen, wo Geld wirksam eingesetzt wird und wo nicht. Beides gehört zusammen.“
Die Hilfen zur Erziehung gehören zu den größten Kostentreibern im Haushalt der Stadt Halle (Saale). Die aktuelle ORBIT-Bedarfserhebung vom August 2026 macht deutlich, wo die Ursachen liegen. Für die Beratungen zum Haushalt 2027 ist der Bericht eine wichtige Grundlage.
Die Zahlen sind eindeutig: 2025 wurden in Halle 3.118 Hilfen zur Erziehung gewährt, 2020 waren es 2.971. Die Meldungen wegen Kindeswohlgefährdung haben sich von 600 auf 1.910 mehr als verdreifacht. Die durchschnittliche Dauer einer Inobhutnahme hat sich seit 2018 verdoppelt und lag 2024 bei 76,3 Tagen. Die Gutachter bezeichnen das ausdrücklich als „massiven Kostentreiber“ und als vermeidbaren Kostenfaktor. Zudem geben ASD und freie Träger an, dass durchschnittlich rund 17 bis 18 Prozent der Fälle nicht bedarfsgerecht vermittelt werden.
„Hinter jeder Zahl in diesem Bericht steht ein Kind oder ein Jugendlicher, die verlässliche Hilfe brauchen“, betont Guido Haak, Stadtrat der CDU-Fraktion im Sozialausschuss. „Medizinische und soziale Fürsorge dürfen nicht an Wartezeiten, fehlenden Plätzen oder unklaren Zuständigkeiten scheitern. Gerade bei seelischen Belastungen, Traumata oder Gewalterfahrungen müssen Jugendamt, Träger, Kinder- und Jugendpsychiatrie und Schule eng zusammenarbeiten, damit die Hilfe früh ansetzt und die Kinder nicht zu lange in Krisensituationen verbleiben. Wirtschaftlichkeit und Fürsorge sind für uns kein Gegensatz: Wer früher und passgenauer hilft, schützt die Kinder und schont zugleich den Haushalt.“
Die CDU-Fraktion hat bereits in der Vergangenheit Lösungsansätze präsentiert: Mit ihrem Änderungsantrag zum Haushalt 2026 (VIII/2026/02517) hat sie vorgeschlagen, die Planansätze für die Hilfen zur Erziehung zu senken, und zwar um rund 1 Mio. Euro im Jahr 2026 und um jeweils rund 5 Mio. Euro jährlich in den Jahren 2027 bis 2030. Im selben Antrag wurde die Verwaltung beauftragt, ein Konzept zur Reduzierung der HzE-Aufwendungen mit dem Ziel zu erstellen, das Niveau von Magdeburg zu erreichen, die Erweiterung städtischer Kapazitäten bei den stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe mit dem Ziel der Kostenminimierung zu prüfen.
Diese Linie wird durch den Bericht gestützt: Die Gutachter empfehlen, städtische Einrichtungen stärker zu nutzen, um den Belegungsdruck und die Abhängigkeit von teuren Angeboten freier Träger zu verringern. Sie regen außerdem an, die Kopplung der Fachleistungsstunden an einzelne Fälle zu überprüfen, weil sie Selbsterhaltungseffekte begünstigen kann.
Der Bericht stellt fest, dass dem Jugendamt die Kapazitäten der ambulanten Hilfen nicht flächendeckend bekannt sind und eine zentrale Angebotsübersicht fehlt. Hier setzt der Antrag der CDU-Fraktion zur Prüfung des HzE-Portals an (VIII/2026/02672). Die Verwaltung soll darstellen, welche Zeit- und Kosteneinsparungen eine Einführung ermöglicht, ob ASD-Fachkräfte entlastet werden und ob die Datenbasis für Steuerung, Controlling und Jugendhilfeplanung belastbarer wird. „Wer steuern will, braucht verlässliche Daten“, so Riedel. „Digitale Werkzeuge ersetzen keine Fachlichkeit, können sie aber spürbar entlasten.“
Die Fraktion nimmt auch die weiteren Empfehlungen ernst, darunter Prävention und niedrigschwellige Zugänge, Familienräte, eine Clearingstelle sowie datenschutzkonforme, vom Internet getrennte KI-Assistenz für die Fallberatung. Letztere versteht die Fraktion ausdrücklich als Unterstützung der Fachkräfte, nicht als Ersatz ihrer Entscheidung. Ebenso gilt: Der ASD muss arbeitsfähig sein. Der Bericht weist darauf hin, dass neun Vollzeitstellen nicht besetzt sind und die technische Ausstattung als mangelhaft bewertet wird.
„Konsolidierung heißt für uns nicht, an der falschen Stelle zu kürzen“, betont Riedel. „Wir wollen, dass Hilfe früher, passgenauer und wirtschaftlicher ankommt. Dazu erwarten wir von der Verwaltung für das kommende Haushaltsjahr konkrete Maßnahmen mit Zeitplan, nicht nur weitere Berichte.“




